Die Pfortader (Vena portae hepatis) ist ein großes venöses Gefäß, das nährstoffreiches, aber sauerstoffarmes Blut aus den Verdauungsorganen direkt zur Leber transportiert.
In der Pharmazie spielt sie eine Schlüsselrolle, da fast alle oral eingenommenen Arzneistoffe nach der Resorption im Darm diesen Weg nehmen müssen, bevor sie in den restlichen Körper gelangen.
Pfortader: Anatomie und physiologische Funktion
Die Pfortader sammelt das Blut aus dem Magen, dem Dünn- und Dickdarm, der Bauchspeicheldrüse und der Milz. Anders als andere Venen führt sie das Blut nicht direkt zum Herzen zurück, sondern schaltet die Leber als Kontroll- und Stoffwechselinstanz dazwischen. Man spricht hier von einem „Pfortadersystem“. Die Leber fungiert dabei als chemische Fabrik, die Nährstoffe filtert, speichert oder umwandelt und Giftstoffe sowie Bakterien unschädlich macht.
Dieses System stellt sicher, dass potenziell schädliche Substanzen, die über die Nahrung aufgenommen wurden, erst bearbeitet werden, bevor sie das empfindliche Herz-Kreislauf-System und das Gehirn erreichen.
Die Pfortader im Fokus der Pharmakologie:
- Der First-Pass-Effekt: Wirkstoffe werden in der Leber metabolisiert (abgebaut oder umgewandelt), noch bevor sie ihre eigentliche Wirkung im Körper entfalten können.
- Prodrugs: Einige Medikamente werden erst durch die Enzyme in der Leber nach der Pfortader-Passage in ihre wirksame Form überführt (z. B. das Schmerzmittel Codein zu Morphin).
- Bioverfügbarkeit: Die Leistungsfähigkeit der Leber nach der Pfortader-Passage bestimmt, wie viel Prozent eines Wirkstoffs tatsächlich im Blutkreislauf ankommt.
Klinische Bedeutung: First-Pass-Effekt umgehen
Für viele Therapien ist die Pfortader-Passage ein Hindernis. Wirkstoffe wie Nitroglycerin (bei Angina Pectoris) würden bei einer normalen oralen Gabe fast vollständig in der Leber abgebaut werden, bevor sie das Herz erreichen. Deshalb nutzt man Applikationsformen, die das Blut nicht über die Pfortader leiten.
Sublingualsprays oder Zerbeißkapseln lassen den Wirkstoff über die Mundschleimhaut resorbieren. Von dort fließt das Blut direkt in die obere Hohlvene und umgeht die Leber. Ähnliches gilt für transdermale Pflaster (z. B. Fentanyl-Pflaster) oder Injektionen. Ein besonderer Fall sind Zäpfchen (Rektalapplikation): Das Blut aus dem unteren Teil des Mastdarms umgeht die Pfortader ebenfalls, während der obere Teil in sie mündet – daher ist der First-Pass-Effekt bei Zäpfchen oft geringer als bei Tabletten, aber dennoch teilweise vorhanden.
Fachbegriffe: Vena portae, First-Pass-Metabolismus, Enterohepatischer Kreislauf, Prodrug, Bioverfügbarkeit.
