Die Applikationsform (oder Darreichungsform) bezeichnet die spezifische Gestaltung eines Arzneimittels zur Verabreichung an den Patienten.
Sie bestimmt maßgeblich, wie schnell ein Wirkstoff aufgenommen wird (Resorption), wie lange er wirkt und welche Nebenwirkungen an welcher Stelle im Körper auftreten können.
Applikationsform: Einfluss auf Pharmakokinetik und Wirkung
In der Pharmazie wird zwischen der lokalen und der systemischen Applikation unterschieden. Eine lokale Applikation (z. B. Augentropfen wie Vismed oder Nasensprays wie Nasivin) wirkt direkt am Ort der Beschwerde und belastet den restlichen Körper kaum. Bei einer systemischen Applikation gelangt der Wirkstoff über die Blutbahn in den gesamten Körper.
Hierbei spielt die Wahl der Applikationsform eine entscheidende Rolle für den First-Pass-Effekt: Wirkstoffe, die geschluckt werden (peroral), müssen erst die Leber passieren, wo sie teilweise abgebaut werden.
Um diesen Effekt zu umgehen, nutzt man alternative Wege. Schmelztabletten lösen sich bereits im Mund auf, und der Wirkstoff wird teilweise über die Mundschleimhaut aufgenommen. Injektionen (z. B. Insulin-Pens) oder Infusionen bringen den Stoff direkt ins Gewebe oder in die Vene, was eine Bioverfügbarkeit von nahezu 100 % garantiert. Auch transdermale therapeutische Systeme (Pflaster) sind hochmoderne Applikationsformen, die Wirkstoffe wie Fentanyl oder Nikotin über Tage hinweg kontrolliert durch die Haut schleusen.
Einteilung der Applikationsformen:
- Peroral: Tabletten, Kapseln, Säfte (Weg über den Magen-Darm-Trakt).
- Parenteral: Spritzen oder Infusionen (unter Umgehung des Darms).
- Inhalativ: Sprays oder Pulverinhalatoren (z. B. Foster bei Asthma) für die Wirkung in der Lunge.
- Rektal: Zäpfchen (Suppositorien), oft genutzt bei Kindern oder bei Erbrechen.
Darreichung: Individuelle Auswahl für den Patienten
In der Apothekenberatung steht oft die korrekte Anwendung der Applikationsform im Vordergrund. Viele Fehler passieren bei komplexen Systemen wie Inhalatoren oder Augensalben.
Auch die Galenik spielt hier hinein: Eine Tablette darf oft nicht geteilt werden, wenn sie einen speziellen Überzug hat, der sie magensaftresistent macht. Die Wahl der richtigen Form kann zudem die Adhärenz verbessern – ein Patient, der ungern Tabletten schluckt, ist mit einem schmackhaften Brausepulver oder einem lang wirkenden Pflaster oft besser therapiert.
Fachbegriffe: Resorption, First-Pass-Effekt, Bioverfügbarkeit, Topisch, Systemisch.
