Allergische Beschwerden wie Heuschnupfen, juckende Augen oder Urtikaria machen vor der Schwangerschaft nicht halt. Im Gegenteil: Die hormonelle Umstellung sorgt oft für eine veränderte Immunlage, die bestehende Allergien verstärken oder neue Reaktionen auslösen kann. Für PTA ist dies eine klassische Beratungssituation mit hohem Beratungsbedarf, da die Verunsicherung hinsichtlich der Embryotoxizität oft groß ist.
Ein konsequentes Symptommanagement ist jedoch wichtig: Unbehandelte allergische Reaktionen können den Schlaf und das Wohlbefinden der werdenden Mutter massiv beeinträchtigen und im schlimmsten Fall (bei allergischem Asthma) zu einer Sauerstoffunterversorgung führen.
Inhaltsverzeichnis:
Hormone & Immunsystem: Warum Allergien sich verändern
In der Schwangerschaft verschiebt sich das Immunsystem tendenziell von einer zellulären (Th1) hin zu einer humoralen (Th2) Antwort. Da allergische Reaktionen primär Th2-gesteuert sind, können Heuschnupfen oder allergisches Asthma in dieser Zeit erstmals auftreten oder sich verschlimmern.
Gleichzeitig sorgt der Anstieg von Östrogen und Progesteron für eine stärkere Durchblutung der Schleimhäute, was die Symptome einer verstopften Nase zusätzlich intensiviert.
Differenzialdiagnose: Allergie vs. Schwangerschaftsrhinitis
Wichtig für das Beratungsgespräch: Nicht jede verstopfte Nase ist eine Allergie. Die Rhinitis gravidarum (Schwangerschaftsschnupfen) betrifft etwa 20–30 % aller Schwangeren.
- Symptome: Anhaltende nasale Kongestion (Verstopfung) ohne Juckreiz, Niesen oder Augenbeteiligung.
- Ursache: Hormonell bedingte Ödeme der Nasenschleimhaut.
- Wichtig: Hier helfen Antihistaminika meist nicht; Nasenduschen und pflegende Sprays sind die Therapie der Wahl.

Basis-Hygiene: Pollenexposition minimieren
Bevor systemische Mittel zum Einsatz kommen, steht die Allergenkarenz an erster Stelle. Diese Tipps sind einfach, aber effektiv:
- Haarpflege: Abends die Haare waschen, um Pollen nicht mit ins Bett zu nehmen.
- Lüftungsverhalten: In der Stadt am besten morgens (6–8 Uhr), auf dem Land abends (20–24 Uhr) lüften.
- Kleidungswechsel: Getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer lagern.
- Physikalische Barriere: Eine Nasendusche mit isotonischer Kochsalzlösung schwemmt Allergene mechanisch aus und befeuchtet die Schleimhaut ohne Nebenwirkungen.
Pharmakotherapie: Welche Wirkstoffe sind Mittel der Wahl?
Wenn die Lebensqualität leidet, darf und sollte medikamentös unterstützt werden. Die Datenlage (z. B. via Embryotox) bietet hier große Sicherheit:
1. Lokale Therapie (Topisch)
Lokal wirksame Präparate sollten bevorzugt werden, da die systemische Resorption minimal ist.
- Nasensprays: Glukokortikoide wie Budesonid oder Fluticason gelten als sicher und sind besonders bei ausgeprägter nasaler Symptomatik Mittel der Wahl.
- Mastzellstabilisatoren: Cromoglicinsäure (DNCG) ist seit Jahrzehnten etabliert und sicher, muss jedoch mehrmals täglich angewendet werden und wirkt erst nach einigen Tagen vollumfänglich.
- Augentropfen: Wirkstoffe wie Azelastin oder Levocabastin können bei Bedarf lokal appliziert werden.
2. Systemische Therapie (Oral)
Muss ein orales Antihistaminikum empfohlen werden, sind Wirkstoffe der zweiten Generation vorzuziehen:
- Loratadin und Cetirizin sind die am besten untersuchten Wirkstoffe in der Schwangerschaft. Sie zeigen nach aktuellem Kenntnisstand kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.
- Präparate der ersten Generation (z. B. Dimetinden) sollten aufgrund ihrer sedierenden Wirkung eher vermieden werden.
3. Vorsicht bei Abschwellern
Abschwellende Nasensprays (Xylometazolin) sollten nur in absoluten Ausnahmefällen, extrem kurzzeitig (max. 5 Tage) und in der geringsten Dosierung (Säuglings- oder Kinderdosis) angewendet werden, da eine theoretische Gefahr der Gefäßverengung in der Plazenta besteht.
Grenzen der Selbstmedikation: Wann zum Arzt?
Die Beratungsgrenze ist erreicht, wenn die Patientin über Atemnot, pfeifende Atemgeräusche oder einen anhaltenden trockenen Husten klagt. Hier besteht der Verdacht auf einen Etagenwechsel hin zu einem allergischen Asthma. Dies muss zwingend fachärztlich (Gynäkologie/Pneumologie) behandelt werden, da eine optimale Sauerstoffsättigung für die fetale Entwicklung essenziell ist.
Eine fundierte PTA-Beratung nimmt den Druck aus der Situation. Durch die Empfehlung gut untersuchter Wirkstoffe wie Cetirizin oder Budesonid kann die Schwangerschaft trotz Allergie genossen werden. Weitere hilfreiche Artikel für den Apothekenalltag finden Sie in unserem Magazin.
(Artikel: ptadirekt.de | Fachliche Referenz: Embryotox / RKI)

