Unter Resorption (lateinisch resorbere = „aufnehmen“) versteht man die Aufnahme von Stoffen aus der Umwelt oder von Körperoberflächen in das Körperinnere, primär in die Blut- oder Lymphbahn.
In der Pharmazie ist die Resorption der erste kritische Schritt der Pharmakokinetik (LADME-Modell). Sie entscheidet darüber, wie viel eines Wirkstoffs tatsächlich im Organismus ankommt, um dort eine Wirkung zu entfalten.
Resorption: Mechanismen der Wirkstoffaufnahme
Damit ein Wirkstoff resorbiert werden kann, muss er biologische Membranen überwinden. Dies geschieht auf unterschiedlichen Wegen. Der häufigste Weg ist die passive Diffusion, bei der Wirkstoffmoleküle aufgrund eines Konzentrationsgefälles durch die Membran wandern.
Dies funktioniert besonders gut bei fettlöslichen (lipophilen) Stoffen. Wasserlösliche Stoffe hingegen benötigen oft spezialisierte Kanäle oder Transportproteine (aktiver Transport), die unter Energieverbrauch den Wirkstoff ins Zellinnere schleusen.
Ein anschauliches Beispiel aus der Apotheke ist die Einnahme von Eisenpräparaten (z. B. ferro sanol). Eisen wird aktiv im Dünndarm resorbiert. Da die Aufnahmekapazität des Körpers hier begrenzt ist und viele Faktoren (wie Gerbstoffe in Tee oder Kaffee) die Resorption blockieren können, ist die Beratung zur korrekten Einnahme (nüchtern mit Vitamin C) essenziell für den Therapieerfolg.
Faktoren, die die Resorption beeinflussen:
- Chemische Eigenschaften: Die Teilchengröße und Fettlöslichkeit des Wirkstoffs.
- Physiologie des Applikationsortes: Die Größe der Resorptionsfläche (der Dünndarm ist durch seine Zotten ideal) und die Durchblutung.
- pH-Wert: Viele Wirkstoffe werden nur in einem bestimmten pH-Bereich resorbiert (z. B. ASS bevorzugt im sauren Milieu des Magens).
- Wechselwirkungen: Nahrungsmittel können die Resorption verzögern oder verhindern (z. B. Calcium in Milch bindet das Antibiotikum Doxycyclin).
Resorption und First-Pass-Effekt
Besonders bei der peroralen Gabe (Schlucken von Tabletten) ist der Weg der Resorption tückisch. Alles, was im Magen-Darm-Trakt resorbiert wird, gelangt über die Pfortader zunächst in die Leber. Dieser Prozess wird als First-Pass-Effekt bezeichnet. Die Leber kann dabei einen Teil des Wirkstoffs bereits abbauen, bevor er den restlichen Körper erreicht.
Um eine schnelle Resorption unter Umgehung der Leber zu erreichen, nutzt man alternative Applikationswege. Schmelztabletten (z. B. Ibuprofen Schmelztabletten) oder Sprays zur Anwendung unter der Zunge (z. B. Nitrolingual bei Angina Pectoris) lassen den Wirkstoff direkt über die Mundschleimhaut resorbieren. Da diese direkt in den großen Blutkreislauf führt, tritt die Wirkung oft innerhalb von Sekunden ein. Auch transdermale Pflaster (z. B. Diclofenac-Pflaster) nutzen die Haut als Resorptionsorgan für eine langsame, aber stetige Aufnahme.
Fachbegriffe: LADME-Schema, Bioverfügbarkeit, Diffusion, Pfortader, Schleimhautresorption.
