Phytopharmaka sind Arzneimittel, deren wirksame Bestandteile ausschließlich aus Pflanzenteilen (Blätter, Blüten, Wurzeln) oder pflanzlichen Zubereitungen (Extrakte, Destillate) bestehen.

Im Gegensatz zu isolierten Reinsubstanzen enthalten Phytopharmaka ein komplexes Vielstoffgemisch der Pflanze, das in seiner Gesamtheit für die therapeutische Wirkung verantwortlich ist.

Qualität und Wirksamkeit: Keine „sanfte“ Pseudomedizin

Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Phytopharmaka mit Wellness-Produkten oder Nahrungsergänzungsmitteln. Echte Phytopharmaka unterliegen jedoch den gleichen strengen Zulassungsverfahren wie chemisch-synthetische Medikamente. Sie müssen ihre Wirksamkeit, Sicherheit und pharmazeutische Qualität in klinischen Studien nachweisen.

Die Besonderheit liegt im Vielstoffgemisch. Während ein synthetisches Schmerzmittel oft nur ein Molekül enthält, bietet ein Extrakt aus Johanniskraut eine Vielzahl an Inhaltsstoffen, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken können. Da Pflanzen Naturprodukte sind und je nach Erntejahr schwankende Inhaltsstoffmengen aufweisen können, wird bei der Herstellung von Phytopharmaka eine „Standardisierung“ durchgeführt. Das bedeutet, dass ein bestimmter Leitinhaltsstoff immer in der gleichen Menge vorhanden sein muss, um eine konstante Wirkung zu garantieren.

Bekannte Beispiele für Phytopharmaka:

  • Sinupret eXtract: Eine Kombination aus Enzian, Schlüsselblume, Ampfer, Eisenkraut und Holunder bei Nasennebenhöhlenentzündung.
  • Laif 900: Hochdosiertes Johanniskraut-Präparat zur Behandlung von depressiven Verstimmungen.
  • Tebonin: Ginkgo-Spezialextrakt zur Förderung der Durchblutung und bei Gedächtnisstörungen.
  • Iberogast: Ein Klassiker aus neun verschiedenen Heilpflanzen zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden.

Sicherheit und Wechselwirkungen

„Pflanzlich“ bedeutet nicht automatisch „nebenwirkungsfrei“. Phytopharmaka können hochwirksam sein und daher auch Interaktionen mit anderen Medikamenten eingehen. Ein bekanntes Beispiel ist Johanniskraut, das den Abbau anderer Arzneimittel in der Leber beschleunigen kann, wodurch etwa die Wirkung der Antibabypille oder von Blutverdünnern abgeschwächt wird. Eine kompetente Beratung in der Apotheke ist daher auch bei pflanzlichen Arzneimitteln unerlässlich.

Fachbegriffe: Phytotherapie, Extrakt, Standardisierung, Vielstoffgemisch, Droge (pharmazeutisch).

Fachinformationen und offizielle Quellen