Verstopfte Nasen, Druckschmerz in den Nebenhöhlen und festsitzender Husten sind in der Stillzeit besonders belastend. Viele Betroffene greifen in dieser Situation gerne zu pflanzlichen Schleimlösern. GeloMyrtol® forte gehört zu den bekanntesten Präparaten bei Sinusitis und Bronchitis.
Doch wie sicher ist die Anwendung für das gestillte Kind – diese Frage begegnet uns im Alltag immer wieder.
Die Fakten zur Anwendung in der Stillzeit
GeloMyrtol® forte enthält das Destillat ELOM-080, eine Mischung aus rektifiziertem Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöl. Die Wirkstoffe sind hochwirksam bei der Schleimlösung, werfen aber Fragen hinsichtlich des Übergangs in die Muttermilch auf.
Was sagt der Hersteller?
- In der offiziellen Packungsbeilage wird darauf hingewiesen, dass das Präparat in der Stillzeit nur nach einer strengen Nutzen-Risiko-Abwägung durch medizinisches Fachpersonal eingenommen werden sollte. Da die ätherischen Öle fettlöslich sind, ist ein Übergang in die Muttermilch wahrscheinlich. Klinische Daten zu den Auswirkungen auf den Säugling liegen jedoch nicht in ausreichendem Maße vor.
Die Einschätzung von Embryotox
- Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin (Embryotox) stuft viele ätherische Öle bei moderater Anwendung als akzeptabel ein. Dennoch gilt GeloMyrtol® dort nicht als Mittel der ersten Wahl, da die Datenlage im Vergleich zu Monopräparaten (wie reinem Cineol) dünner ist.
Mögliche Auswirkungen auf das Baby
Obwohl keine dokumentierten Fälle von schweren Schädigungen vorliegen, sollten Stillende zwei Aspekte beachten:
-
Geschmack der Muttermilch: Ätherische Öle können das Aroma der Milch beeinflussen. Dies kann bei empfindlichen Säuglingen zu einer temporären Trinkverweigerung führen.
-
Unruhe oder Blähungen: In seltenen Fällen reagieren Babys auf die über die Milch aufgenommenen Terpene mit Unruhe oder Verdauungsbeschwerden.
Praktische Tipps für die Einnahme
Falls die Anwendung ärztlich befürwortet wurde, lässt sich das Risiko durch gezieltes Timing minimieren:
-
Abstand zum Stillen: Die Kapsel sollte am besten unmittelbar nach dem Stillen eingenommen werden. So ist der Wirkstoffspiegel in der Milch bei der nächsten Stillmahlzeit (idealerweise nach 3–4 Stunden) bereits wieder abgesunken.
-
Viel Flüssigkeit: Eine hohe Wasserzufuhr unterstützt nicht nur die Schleimlösung, sondern hilft auch dem mütterlichen Organismus bei der Ausscheidung der Wirkstoffe.
Sanfte Alternativen bei Erkältung
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann zunächst auf Behandlungen setzen, die keinen systemischen Einfluss haben:
-
Inhalationen: Wasserdampf mit Kochsalz befeuchtet die Schleimhäute direkt am Ort des Geschehens.
-
Nasenspülungen: Eine Nasendusche mit isotonischer Kochsalzlösung reinigt die Nebenhöhlen mechanisch.
-
Lokale Sprays: Meerwasser-Nasensprays sind in der Stillzeit uneingeschränkt empfehlenswert.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Vor der Einnahme von Medikamenten in der Stillzeit sollte stets Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke gehalten werden.
Weitere hilfreiche Artikel und Berichte befinden sich in unserem Magazin.
Quellen und weiterführende Informationen
- G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG (2024). Fachinformation: GeloMyrtol® forte. Hohenlockstedt: G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG.
- Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (2026). GeloMyrtol (Cineol, Myrtol, Limonen, Alpha-Pinen). Berlin: Charité-Universitätsmedizin Berlin (Embryotox). Verfügbar unter: https://www.embryotox.de [Zugriff am: 17. April 2026].
- Reprotox (2026). Myrtol (GeloMyrtol). Washington, D.C.: Reproductive Toxicology Center. Verfügbar unter: https://reprotox.org [Zugriff am: 17. April 2026].

